Auszüge aus dem Buch Schach in Württemberg von Eberhard Herter. Das Buch ist auch mit freundlicher Genehmigung des Verlags und des Autors zum Download verfügbar.
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Der Schwäbische Schachbund
 Blick von der Calwer Straße zum Alten Postplatz. Am Gebäude ganz rechts erkennt man die 
senkrechte Schrift CAFE (Menz). Gegenüber links der PAULANER. 
(Quelle:Landesbildstelle Württemberg) 


Der Schachclub Stuttgart war nicht nur die Keimzelle des Schwäbischen 
Schachbundes, er blieb auch bis zur Zerstörung des Vereinslokals im zweiten 
Weltkrieg die Zentrale des Verbands, und die Vorstandsschaft war über lange 
Zeiten zu einem guten Teil identisch. Man muss deshalb die Geschichte von 
Verein und Bund im Zusammenhang betrachten. 
Die Gründung des Schachclub Stuttgart 
Der Sieg des deutschen Vorkämpfers Anderssen im internationalen Turnier zu 
London 1851 löste in Deutschland eine große Schachbegeisterung aus. Auch in 
Stuttgart trafen sich eifrige Schachspieler. Es muss schon frühzeitig einen rela- 
tiv engen Zusammenschluß von Schachfreunden gegeben haben, denn „Stutt-
gart" spielt ab 1850 mehrfach Fernpartien mit anderen Städten, insbesondere 
München. Es ist kein konkreter Vorgang  bekannt,  der  uns berechtigen würde, 
heute das 150-jährige Jubiläum zu feiern. Erst 1856 ist eine Vereinsgründung 
aktenkundig [ 136]. Man müsste nun die Archive der Lokalpresse bezüglich der 
Folgejahre auswerten, um den genauen Zeitpunkt festzustellen, ab dem Schach-
spieler im Cafe Menz am Alten Postplatz gern gesehene Gäste waren [3], so 
dass man einen Verein zur Organisation des Spielbetriebs vielleicht zunehmend 
entbehrlich  fand  (?) und das Datum 1 856 in Vergessenheit geriet. Erst 1 879 
kamen  die Schachspieler im Cafe Menz auf die Idee, einen Verein zu etablieren. 
Ende 1 879 ist es dann endlich soweit. Wir lesen in der Deutschen Schachzei-
tung  1 880  [6]: »Aus Stuttgart erhalten wir die erfreuliche Nachricht, dass unter 
dem Präsidium des Herrn Scheibert, Major a.D., Ende vorigen Jahres ein 
Schachclub sich constituiert hat, welcher heute bereits über 30 Mitglieder zählt. 
Zur Belebung der Spielabende wurde von dem jungen Club ein Turnier veran-
staltet und ein prachtvoller silberner Pokal als erster Preis ausgesetzt...« Und im 
Juni 1 880 [7] finden wir: 
» ... Mittheilung, dass am 25. März, nach sechswöchentlichem heissen Turnier, 
die Preisvertheilung stattfand. Den 1 . Preis, ein kunstvoll gearbeiteter silberner 
Pokal, erhielt der Sekretär des Clubs, Kaufmann  Löwenthal,  den 2., v. Bilguers 
Handbuch des Schachspiels, Prachtband, Architekt Nisle, den 3., ein elegantes 
Schachspiel, Maler Siebenrock, den 4., ein silbernes Serviettenband, Kaufmann 
Nebel, den 5., ein Schachwerk nebst Briefmappe, Orgelbauer Weigle. 

Der Präsident des Clubs, Major Scheibert, verband den festlichen Akt mit einer 
humordurchwürzten Rede, an welche sich der interessante und lehrreiche Vor-
trag des Dr. Schott über: 'die historische Entwicklung des Schachspiels' würdig 
anschloß. Bei dem zu Ehren des Turniers stattgehabten Souper machte der Prä-
sident die sehr erfreuliche Mittheilung, dass Herr Ree, dem der Club schon so 
vieles verdanke, eine silberne Medaille gestiftet habe. Im Sinne des Stifters soll 
in jedem Jahr ein Spiel mit kleinem Einsatz stattfinden, in welchem der Sieger 
die Medaille für das laufende Jahr erhält und bei festlichen Gelegenheiten anle-
gen kann. Nach Ablauf eines Jahres ist diesselbe, gegen Empfangnahme einer 
Copie, ebenfalls in Silber gefertigt, zurückzuerstatten, um von Neuem als 
Kampfpreis zu dienen. Diesmal erkämpfte die Medaille Herr Löwenthal.« 
Diesen Bericht über die ersten Monate des Vereins können wir durch [3] und [5] 
ergänzen. Danach erfolgte im November 1 879 die Eintragung ins Vereinsregi-
ster durch Architekt Nüßle. (Die richtige Schreibweise Nisle darf nach diversen 
unabhängigen Meldungen [8] als gesichert gelten.) Als Mitgliederzahl wird 50 
und als Jahresbeitrag 4 Mark angegeben. Neben den oben schon erwähnten 
Mitgliedern wird als Gründungsmitglied noch Ed. Caspar genannt. 
Insgesamt gesehen, stand der Verein von Anfang an auf recht solidem Funda-
ment, ein  spätgeborenes,  aber um so gesünderes Kind des  Bürgertums der  da-
maligen Zeit. 
Die Entwicklung des Schachclubs bis zum Ende des ersten Weltkriegs 
Aus den ersten Jahren sind wenig Meldungen zu finden. Aus [3], [5] läßt sich 
schließen, dass Architekt Nisle schon bald Major Scheibert im Vorsitz abgelöst 
hat; verbürgt ist Nisle als Vorsitzender 1884 [9]. Dort lesen wir weiter, dass S. 
Löwenthal, Cassirer, als Sekretär des Clubs fungierte. An Stelle des verstorbenen 
Vizepräsidenten Landgerichtsrat Nieck wurde Münzmeister Freihafer gewählt. 
Die nächste Meldung [ 10] mit dem Bericht von der GY 1885 nennt Dr.v. Lenz 
als 1 . und Maler Horst als 2. Vorsitzenden. Wir schmunzeln heute etwas über 
die Genauigkeit, mit der der Wohlstand des Clubs der Öffentlichkeit dargetan 
wird: »„.Werthvolle Bibliothek, Spiele, usw.; Mk.389,- baar„.« 
Der stärkste Spieler der Zeit bis zur Jahrhundertwende war der langjährige Se-
kretär S. Löwenthal, den wir auch schon als ersten Vereinsmeister kennengelernt 
haben. Er gewann 1 898 das Hauptturnier des Deutschen Schachbundes in Köln. 
Damals gab es das Meisterturnier, dessen Sieger der »Meister von Deutschland« 
des jeweiligen Jahres war, und das Hauptturnier, dessen Sieger den Titel »Deutscher 
Meister« erhielt. Unter den Siegern des Hauptturniers [4] finden sich viele berühmte 
Namen, so 1 883 S. Tarrasch und 1 889 Ein. Lasker. Zwei Jahre später, in 
München 1900, hieß der Sieger Dr. Lörbroks aus Hagen, der nach [3] (später?) auch 
als Mitglied des Stuttgarter Vereins genannt wird. Der dritte Deutsche Meister des 
Vereins war Theobald Heß (1922); von  ihm wird später noch die Rede sein. 
Ende der achtziger Jahre (1 887 oder 1888) übernahm Otto Rosenfeld den Vor- 
sitz im Verein. Die 35 Jahre seiner Vorstandschaft [ 1 1 ] sind von stetiger Auf- 
bauarbeit geprägt. Er ist aber nicht nur die zentrale Figur in der Vereinsge- 
schichte, sondern auch im württembergischen Verband, den er gegründet und 
viele Jahre geleitet hat. 
Einige wenige Schachfreunde, so auch Meister Theo Schuster, kannten Rosen- 
feld noch aus seiner Pensionärszeit im Eberhardsbau. Seine aktive Zeit können 
wir nur nach den Meldungen in Schachzeitungen beurteilen. Diese nehmen nach 
der Jahrhundertwende immer mehr zu, ein Zeichen dafür, dass der Organisator 
Rosenfeld auch den Wert einer intensiven Pressearbeit erkannt hatte. Hier 
könnte sicher durch Auswerten der Stuttgarter Lokalpresse jener Zeit noch 
manches zu Tage gefördert werden. 
Rosenfeld muss einer der stärksten Spieler gewesen sein; in vielen Berichten von 
Generalversammlungen und von den ersten Kongressen des Schwäb. Schachbun-
des lesen wir, dass er zum Schluss noch simultan spielte, siehe [ 12]. Auch die 
Schulung des Nachwuchses nahm er in die Hand, so wird z.B. in [13] von Kursen 
für Unteroffiziere berichtet, und im »Stuttgarter Tagblatt« veröffentlichte er alle 
14 Tage einen Leitfaden für Anfänger [ 14]. Otto Rosenfeld war auch auf deut-
scher und internationaler Ebene kein Unbekannter; so unterstützte er z.B. das 
Zustandekommen eines Fernturniers unter 30 deutschen Städten [ 15], und wir 
finden ihn - inzwischen mit dem Titel Kommerzienrat ausgestattet - im Organi-
sationskomitee für den Weltmeisterschaftskampf Lasker-Tarrasch 1908. 
In einer Liste der Vereine des Deutschen Schachbundes wird 1904 [ 1 6] die Mit-
gliederzahl bei Stuttgart mit 60 angegeben. Im Gründungslokal Cafe Menz, das 
vom Verein fast 40 Jahre beibehalten wurde, herrschte reger täglicher Spielbe-
trieb. Aber die Räume waren begrenzt, und so mussten alle größeren Veranstal-
tungen, von denen wir in der Folge zunehmend lesen, in anderen Lokalen 
durchgeführt werden. So wurden die Generalversammlungen 191 1 [17] und 
1 9 1 2 [18] im Bürgermuseum abgehalten, und vom 15.2. 1912 lesen wir, »dass 
der große Saal des Bürgermuseums kaum alle Mitglieder fassen konnte, die am 
Tombolaturnier teilnehmen wollten« [19]. Die Feier zum Abschluss des Vereins-
turniers 1912 wurde im »König von Württemberg« [20], und ein Turnier zum 
Abschluss des Unteroffizierskurses im »Badischen Hof« durchgeführt [13]. 
Die rege Aufbauperiode vor dem 1. Weltkrieg brachte zunehmend Mitglieder 
und damit Raumnot im Cafe Menz. Immer mehr Mitglieder bevorzugten die 
Räume im Cafe Eberhardsbau. Der Inhaber, S. Gottlieb, war dem Schach sehr 
aufgeschlossen und an einem täglichen Spielbetrieb interessiert. Er  stiftete über 
300 Mark für ein offenes Turnier mit 78 Teilnehmern, das vom 1 .3. bis 8.6. 1914 
stattfand. Sieger wurden in der 1 . Klasse W. Eiche und B. Schreiber, in der 2. 
Klasse A. Breitling, und in der 3. G. Gaab. Als Mitglieder des Turnierkomitees 
werden Dr. Kreilsheimer, E. Stockmayer, L. Gaab und K. Blößer genannt [21 ]. 
Im Jahre 1 9 1 5 konstituierte sich im Eberhardsbau als neuer Verein der 
»Schachverein Lasker« mit dem 1 . Vors. Kommerzienrat Banzhaf. Damit wurde 
einem 
dem Wunsch vieler Stuttgarter Schachspieler nach 
 großen Lokal für täg-
lichen Spielbetrieb sichtbarer Ausdruck verliehen. Als Konsequenz ergab sich, 
nachdem die Kriegsjahre vorbei waren, 1 9 1 9 der Zusammenschluss der Vereine 
»Schachclub Stuttgart« und »Schachverein Lasker« zum »Schachverein Stutt-
gart 1 879« mit dem 1 . Vorsitzenden 0. Rosenfeld. Damit begann die Ära Eber-
hardsbau, über die wir im nächsten Abschnitt berichten. 
Unter den Spielern der ersten Jahrzehnte ragte, wie schon beim ersten Vereins-
turnier erwiesen, der Deutsche Meister S. Löwenthal heraus. Er  
wurde beim  25- 
jährigen Jubiläum 1 904 zum Ehrenmitglied ernannt [22]. Von Vereinsturnieren 
nach der Jahrhundertwende sind uns als Sieger bekannt: 1 902 L. Gaab [23], 
1 906 der Problemkomponist  K. Kaiser  [24] und 1 9 1 2 Aug.  Flad  (vor 2./3.  Gei-
sser und Hirschlaff und 4./5. Kayser und Roth) [20]. 
Die Ära Eberhardsbau und Fürstenhof 
I m Eberhardsbau hatten die Stuttgarter Schachspieler nun ein Lokal für den 
täglichen Spielbetrieb gefunden, das sich rasch zum unumstrittenen Zentrum 
des württembergischen Schachs entwickelte. Schon das erste Vereinsturnier des 
»SV Stuttgart 1 879« war ein voller Erfolg, der vom 1 . Vors. Rosenfeld bei der 
Preisverteilung am 1 2.6. 1 920 gebührend gewürdigt wurde. In der Klasse I a 
fielen die Preise der Reihe nach an die Herren Eiche, Zech, Elison, Kaiser und 
Schreiber und in Klasse I b an Zaiser, Geyer, Windfuhr, Bosch, Sprösser; (2 
weitere Klassen) [28]. 
In der Generalversammlung am 1 6. 1 1 . 1922 stellte sich Kommerzienrat Otto 
Rosenfeld nach 35 Jahren als 1 . Vors. aus Altersgründen nicht mehr zur Wie- 
derwahl. Er übergab seinem Nachfolger, Landgerichtsrat Haßler, einen blühen- 
den Verein mit 243 Mitgliedern. Rosenfeld wurde zum Ehrenmitglied ernannt. 
Er stellte in seiner Dankesrede  eine  ansehnliche Spende in Aussicht [ 1 1 ]. Auch 
zu jener Zeit stellte er als Spieler noch seinen Mann. So lesen wir von dem 1 9 1 9 
gegründeten Verein i m nahen Ludwigsburg, dass der 1 . Vorsitzende des 
Schwäb.  Schachbundes,  0. Rosenfeld,  1923  dort simultan  spielte  [30]. 

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